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Die hohe Ehre, sich "Klassiker" nennen zu dürfen, gebührt nur mustergültigen Produkten ersten Ranges. Allen ist gemeinsam, daß sie die Merkmale einer ausgereiften Meisterschaft in sich tragen und die Zeit überdauern.
Die Menschheit kennt Klassiker im Gebrauchsdesign und sie kennt Uhrenklassiker, die Geschichte geschrieben haben und daher zurecht als Spitzenleistungen gelten können. Einer davon ist der TutimaFliegerchronograph von 1941, dessen Genese eine differenzierte Betrachtung verdient.
Man schreibt das Jahr 1939. In Deutschland und Zentraleuropa überschlagen sich die Ereignisse. Die kriegerische Auseinandersetzung in Europa läßt sich nicht verhindern. Sie verlangt auf allen Seiten nach adäquatem Material. Speziell die Flieger benötigen robuste Hochleistungs-Chronographen. Sie drängen auf Konstruktion und Fertigung eines eigenen Chronographen-Kalibers. Es darf hinsichtlich Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit nicht hinter den Schweizer Fabrikaten zurückstehen. Bei der UROFA-UFAG erwarten sich die Auftraggeber das erforderliche Maß an technologischer und uhrmacherischer Kompetenz. Knapp zwei Jahre später tickt das 15-linige Kaliber UROFA 59 zu allseitiger Zufriedenheit. Die konstruktiven Merkmale des Tutima Chronographen können sich ausnahmslos sehen lassen: 30-Minuten-Zähler, Steuerung aller Stoppfunktionen über ein Schaltrad, Möglichkeit von Additionsstoppungen.
Das optische Erscheinungsbild steht den inneren Werten in keiner Weise nach: Ein voluminöses Gehäuse mit Schraubboden schützt das kostbare Uhrwerk vor äußeren Einflüssen. Das kontrastreiche Leucht-Zifferblatt läßt sich in Verbindung mit den markanten Leuchtzeigern unter allen Lichtbedingungen hervorragend ablesen. Eine kannelierte, griffige Drehlünette mit rotem Merkpunkt gestattet das Einstellen von Zeiten. Die große Aufzugskrone sowie die Drücker gehorchen unbedingt den Gesetzen der Ergonomie. Bis zum Jahr 1945 verlassen rund 30.000 Exemplare des TutimaFliegerchronographen von 1941 die Glashütter Werkstätten. Dann sorgen die russischen Truppen für ein jähes Produktionsende. Der Tutima Fliegerchronograph entschwebt ins Reich der Mythen.
Jene Flieger, die nach Kriegsende noch ein Exemplar besitzen, behüten ihn als kostbares Erinnerungsstück wie ihren Augapfel. Die Entwicklungsgeschichte, die Rarität und die konstruktiven Besonderheiten haben die Preise für "das Original" im Zuge des Sammlerbooms der achtziger Jahre raketenartig nach oben schnellen lassen. Mittlerweile geht unter 2.500 Euro fast gar nichts mehr. Für gut erhaltene Exemplare werden inzwischen sogar Summen jenseits von 5.000 Euro verlangt - und anstandslos bezahlt.
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