Am 8. Mai 1945, die Waffenruhe war nur noch Stunden entfernt, wüteten die Bomben russischer Flugzeuge in Glashütte. Die Metropole der deutschen Präzisionsuhrmacherei erlitt schwerste Schäden. Später wurden die Fabriken in einem staatlichen Kombinat der DDR zusammengefaßt, und die berühmten Glashütter Marken verschwanden von den Zifferblättern der Uhren. Tutima indessen fand sein neues Domizil im Westen.
Zufall oder nicht: Einen Tag vor dem heftigen Bombardement hatte Dr. Ernst Kurtz, bis dahin erfolgreicher Chef von UROFA und UFAG, Glashütte mit all seinem Hab und Gut verlassen. Noch im gleichen Jahr gründete er im Süden Deutschlands einen neuen Betrieb, die Uhrenfabrik Kurtz, die er 1951 ins niedersächsische Ganderkesee verlegte. Gemeinsam mit ehemaligen Glashütter Mitarbeitern knüpfte er konsequent an vergangene Zeiten. Die Zifferblattaufschrift „Kurtz Glashütter Tradition" kündete unmißverständlich vom hohen Anspruch, überlieferte uhrmacherische Werte zu bewahren.
Es blieb nicht bei den hehren Worten. Aus einer Reihe von Neuentwicklungen konnte 1949 bereits das feine 11½-linige Traditionskaliber Kurtz 25 vorgestellt werden, welches sich durch aufwendige Details wie Breguetspirale, chatonierte Lagersteine und eine „Super Shock Resist"-Stoßsicherung auszeichnete. Im Jahre 1956 erlangte das vielversprechende, kostengünstigere 5¼-linige Kaliber Kurtz 570 seine Serienreife. Gleichzeitig jedoch waren die finanziellen Ressourcen des Dr. Kurtz damit erschöpft.
Indessen hatte das Projekt des mutigen Entrepreneurs in Niedersachsen bereits Wurzeln geschlagen. Eine unter strengen Glashütter Grundsätzen ausgebildete neue Generation von Uhrentechnikern war inzwischen herangewachsen. Der frühere Mitarbeiter und Vertraute von Dr. Kurtz in Glashütte, Werner Pohlan, führte den Betrieb fort unter der Bezeichnung „NUROFA Nordeutsche Uhren-Rohwerkefabrik", neben einer inzwischen gegründeten Vertriebsfirma „TUTIMA-UHREN". Der traditionsreiche Name Tutima feierte in Niedersachsen sein glorreiches Comeback. 1959 übernahm Dr. Kurtz wieder die Leitung der Rohwerkefabrik, und er gab ihr den ehrwürdigen Namen der von ihm gegründeten früheren UROFA, der in Glashütte nicht mehr existierte.
In den Jahren 1958/59 fertigte die NUROFA - UROFA bereits die bemerkenswerte Quantität von rund 70.000 Rohwerken des Kalibers 570. Die Produktion eigener Rohwerke fand indessen ein Jahr später ihr endgültiges Aus. - Nicht jedoch die Uhrenfertigung und der Name Tutima. |
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| Dr. Ernst Kurtz gründete 1926 die Urofa-Ufag Aktiengesellschaften in Glashütte, die er bis zu ihrem Ende 1945 leitete. Dr. Kurtz trug bereits in den 30er Jahren unter großem persönlichen Einsatz entscheidend bei zur erfolgreichen Entwicklung der deutschen Armbanduhrenindustrie.
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| Kal. Kurtz 25 |
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